Die Urknalltheorie, eine Theorie ohne Bedeutung?

So haben sie mit dem Kopf und dem Mund
den Fortschritt der Menschheit geschaffen.
Doch davon mal abgesehen und
bei Lichte betrachtet sind sie im Grund
noch immer die alten Affen.

Erich Kästner

Die Urknalltheorie enthält keine Aussage über deren Bedeutung. Es ist also eine Theorie ohne Bedeutung, so wie etwa ein unbebautes Grundstück. Die Urknalltheorie zeigt exemplarisch, welches Problem die Gesellschaft mit Wissenschaft hat. Der folgende Artikel des Focusmagazins zeigt, wie unsystematisch und wirr Bedeutungsgebungen angegangen werden:
Gott vs. Wissenschaft Wer erschuf das Universum und warum?

Es werden zwei Begriffe in den Raum geworfen, die weder definiertbar noch sinnvoll erscheinen. Die Philosophie als einzige methodische Annäherung an eine Bedeutungsgebung wird komplett ausgeklammert. Ich meine, man könnte auch in so einem Artikel aufzeigen, wie man sich philosophisch und methodisch an eine Bedeutungsgebung annähert. Journalistisch durchaus kalkuliert, werden gesellschaftliche Lager unterstellt, wie Religion versus Wissenschaft. Es findet Verdummung zugunsten von Auflage statt, zumal auch die einzelnen Stellungnahmen im Artikel nicht viel aufschlussreicher erscheinen. Das Wirrwar um die Deutungen der Urknalltheorie ist unerschöpflich.

Das erste Statement des Artikels: Carlo Rubbia, der frühere Leiter des europäischen Kernforschungszentrums Cern bei Genf, zu Gott. „Als Forscher bin ich tief beeindruckt durch die Ordnung und Schönheit, die ich im Kosmos finde, sowie im Innern der materiellen Dinge. Und als Beobachter der Natur kann ich den Gedanken nicht zurückweisen, dass hier eine höhere Ordnung der Dinge existiert. Es ist eine Intelligenz auf höherer Ebene vorgegeben, jenseits der Existenz des Universums selbst“,
Was heißt: „höhere Ordnung der Dinge„, was ist „Intelligenz“ und warum „jenseits“ und nicht in der Existenz. Dass einem Forscher, Intelligenz als das höchste Gut erscheint, weil es ihm das höchste ist, was er an sich selbst zu erkennen glaubt, ist klar. Aber wie groß ist der Wert einer solchen Annahme, wenn sie nichts erklärt.

Das nächste Konglommerat des Artikels: Für den Kosmologen Gerhard Börner vom Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching sind Wissenschaft und Religion keine Gegensätze. Beide zeigten nur verschiedene Perspektiven derselben Wirklichkeit auf. Dabei solle das religiöse Bekenntnis zur Schöpfung wissenschaftliche Erkenntnisse einbeziehen. „Innerhalb ihrer Gültigkeitsgrenzen bestimmt die Naturwissenschaft, was wahr und was falsch ist “, betont er. Es sei „doch sehr bemerkenswert, dass die moderne Urknalltheorie sehr gut zur biblischen Aussage passt, Gott habe die Welt zu einem bestimmten Zeitpunkt aus dem Nichts geschaffen“, so Börner weiter. Dies müsse er außerhalb von Raum und Zeit getan haben. Ähnlich argumentiert auch der katholische Tübinger Theologe Hans Küng. Naturwissenschaft und Religion müssen komplementär zueinander sein, fordert er. „Das naturwissenschaftliche Instrumentarium versagt bei der Frage nach dem letzten Woher unserer Wirklichkeit“, sagt er. Deshalb sollten die Forscher Gott zumindest als Hypothese zulassen.
Wissenschaft und Religion seien keine Gegensätze, aber was ist Religion? Meint man die Muslime, die Hindus, die Buddhisten, Schamanisten, etc.? Schlimm, wenn dann mit diesen Worthülsen auch noch Schlüsse gezogen werden wie etwa: „Beide zeigten nur verschiedene Perspektiven derselben Wirklichkeit auf.„. Wessen Wirklichkeit denn? Küng und Börner sind sich einig vom biblischen Gott und dem alten Testament zu sprechen. Wie weit Küng mitgehen würde, wenn wir auch die Theosophen, die Buddhisten, griechische Philosophen mit in die Rechnung einbeziehen würden, bleibt mehr als offen. Schöpfung „außerhalb von Raum und Zeit“ kommt der römisch katholischen Kirche sehr entgegen, denn sie trennt Gott von der Welt und ihren Erlöser durch zweitausend Jahre von den Gläubigen. Wenn man von „außerhalb von Raum und Zeit“ spricht, so erweckt das den Eindruck, es gebe etwas getrennt von diesen. Was soll das sein? Zeitlose Existenz durchdringt die Zeit in jedem existierenden Moment als Gegenwart. Raumlosigkeit durchdringt den Raum durch das Hier in jedem dimensionslosen Punkt. Pantheismus ist daher die Schlussfolgerung.

Es folgt im Artikel: Der Astrophysiker Günther Hasinger, Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching, bringt ein anderes Gottesbild ins Spiel. „Es könnte ein alles durchdringendes Energiefeld geben, das auch da wäre, wenn sonst nichts existierte“, so Hasinger. Als Beispiel nennt er die mysteriöse dunkle Energie, die das Universum beschleunigt expandieren lässt. Damit knüpft er an den die Ideen von Pantheisten wie dem niederländischen Philosophen Baruch Spinoza an, die glauben „das Göttliche“ manifestiere sich in allen Erscheinungen der Welt, somit sei das Universum gleichbedeutend mit Gott.
Er benennt den Pantheismus und Spinoza, jedoch in einer reduktionistischen Variante als „Energiefeld„. Dieses Energiefeld müsste jedoch Strukturen hervorbringen, die in ihm weder vorhanden, noch irgendwie ableitbar wären.

Die Probleme die die Urknalltheorie aufwirft, sind immens. Der Kosmos muss mit einer unvorstellbaren Präzision ins Werk gesetzt worden sein: Feinabstimmung der Naturkonstanten
Tatsächlich gibt es diverse Erklärungsansätze:
– Ableitung aus fundamentaleren Theorien und Prinzipien: Dies ist das übliche, bewährte und aussichtsreichste wissenschaftliche Vorgehen.
– Ensemble-Erklärung: Es existieren andere Universen mit anderen Bedingungen, die entweder gleich häufig sind oder eine spezifische Wahrscheinlichkeitsverteilung haben, welche eventuell mit einer fundamentaleren Theorie erklärbar ist.
– Teleologische Interpretation: Es gibt zielgerichtete Kräfte, die die Feinabstimmungen aufgrund einer der Natur innewohnenden Zweckmäßigkeit angestrebt oder gar bewusst geplant haben.

Die mutmaßliche Feinabstimmung der Naturkonstanten nahm der Kosmologe Brandon Carter, der heute am Pariser Observatorium forscht, 1974 zum Anlass, auf einer Konferenz in Krakau das „Anthropische Prinzip“ (AP) zu formulieren – und zwar in zwei Versionen:
– Schwaches AP: „Unsere Stellung im Universum ist notwendig privilegiert, insofern sie vereinbar sein muss mit unserer Existenz als Beobachter.“
– Starkes AP: „Unser Universum muss so beschaffen sein, dass es irgendwann die Entstehung von Beobachtern zulässt.“

IST UNS DAS ALL AUF DEN LEIB GESCHNEIDERT?

„John Leslie betrachtet das anthropische Prinzip als eine Tautologie“.
Eine Tautologie ist z.B.: „Intelligenz ist das, was der Intelligenztest misst.“. Das sagt nichts über Intelligenz aus und ist immer wahr. Bezieht man diese Aussage auf ein Drittes, denn intelligent, sind ja immer nur Lebewesen. Das würde in diesem Beispiel bedeuten, dass man Intelligenz nicht anders deuten darf als die Tests vorschreiben. Eine Änderung der Tests alleine könnte Intelligenz neu definieren. Ein Zirkelschluss, denn ich darf dann Intelligenz nicht mehr anders sehen als das was getestet wurde. Ich könnte nicht mehr sagen, dass etwas intelligent sei, ohne einen Test gemacht zu haben. Wenn ich den Test ändern würde, dann würde ich mir anmaßen Intelligenter zu sein als der Test es möglich macht. Das darf ich dann nicht tun. So käme es niemals zu einem solchen Test, denn der erste Mensch der einen solchen Test aufstellt müsste sich anmaßen intelligent zu sein, ohne einen Test gemacht zu haben. Es kann also so einen Test nicht geben. Die Behauptung führt außerdem zu einem Widerspruch, wenn sie wahr ist. Wenn sie falsch ist, „Intelligenz ist nicht das, was der Intelligenztest misst.“ ist es kein Intelligenztest, oder keine Intelligenz, was getestet wird.

In dem vorliegenden Fall wäre Zufall das was wir beobachten. Alternative kausale Erklärungen gibt es nicht. Zufall ist also das was Zufall ist? Diese Aussage ist unsinnig. Es bleibt nichts weiter als zu akzeptieren, dass die Naturkonstanten so abgestimmt sind, wie sie es sind. Die Expansionsrate ist mit einer Genauigkeit von 1 / 10000000000 0000000000 0000000000 0000000000 0000000000 0000000 (1 mit 57 Nullen) abgestimmt. Wäre sie größer oder kleiner, dann wäre Leben im Kosmos nicht möglich gewesen. Nicht nur einzelne Naturkonstanten sind fein abgestimmt, sondern alle, sodass die Wahrscheinlichkeit eines einmaligen Zufalls extrem gering ist. Ich darf mir aber nun nicht anmaßen zu sagen dies sei in irrer Zufall dass aus diesen Möglichkeiten eine ausgewählt worden wäre, solange ich keinen Auswahlmechanismus kenne.

Wir nehmen an es gebe eine Maschine Universe making Machine“ (P. C. Hägele, 2003, Folie 12), in einer unendlichen Zeitdauer würfelt bis das richtige Ergebnis kämme. Wer hat dann diese Maschine gebaut, wer regelt wohin sie ihre Erzeugnisse werfen soll und was erzeugt sie? Wenn auch diese Maschine zufällig entstanden wäre, wie groß ist dann die Wahrscheinlichkeit mit der sie zufällig entstanden sein könnte und was treibt sie an?

Ebenso absurd ist die Aussage mancher Kosmologen, die behaupten, der Kosmos wabere ständig und bringe permanent zufällig zufällige Kosmen hervor, von denen einer der unsere sei. Ein solcher Kosmos ist nichts weiter als eine solche Maschine. Solange die Kosmologen einen solchen Kosmos nicht nachweisen können, maßen sie sich an eine solche Maschine bauen zu können. Wenn sie eine solche Bauen könnten, wäre der Kosmos kein Zufall mehr, weil eine solche Maschine Sinn und Zweck hätte.

Die Feinabstimmung der Naturkonstanten ist, wie sie ist und wir haben derzeit nach menschlichem Ermessen keine Erklärung dafür. Eine Interpretation, welche den Kosmos als „so seiend“ ansieht benötigt keine Aussagen über Zufall oder Absicht. Ich denke dass eine solche Interpretation unter die Rubrik „teleologisch“ (zielgerichtet) fallen würde. Das ist jedoch falsch, denn in der folgenden Interpretation sind die Dinge, wie sie sind. Dennoch nenne ich sie der Ordnung halber quasi teleologisch. Sie besitzt den einzigen Vorzug, dass sie sich auf Mystiker, Philosophen und den Buddhismus bezieht. Letztlich fürchte ich, dass wir die Fragen falsch stellen. -> Warum der Geist unerkennbar ist

Eine quasi teleologische Interpretation: Warum z. B. nicht Intuition oder „vorauswissen“ als Basis der Schöpfung. Hildegard von Bingen sprach vom „Vorauswissen“ (liber divinorum operum), als Gott die Welt erschuf, was bedeutet, dass Zeit keine Qualität ist, die der Schöpfung zugrunde liegt.

Zeit und Raum sind lediglich Notwendigkeiten für ihr Erscheinen. Analog sind für den Menschen Zeit und Raum die Bedingungen für Erfahrung (Kant). Weder Zeit noch Raum sind Begriffe, weil Begriffe entweder begrenzt (konkrete Begriffe, wie Haus, Meer) oder mannigfaltig (Liebe, Gerechtigkeit) sind. Raum und Zeit liegen jeglicher Erfahrung zugrunde, werden aber selbst nicht erfahren und sind somit transzendent (Kant). Daher sind es keine Begriffe, sondern Anschauungen (was wir anschauen, wahrnehmen, jedoch nicht begrifflich fassen können). Sie sind auch unbegrenzt, was wiederum jeder konkreten Begrifflichkeit widerspricht. Noch einfacher ist es, sich klar zu machen, dass wir uns subjektiv (wir haben keine Alternative dazu) immer im Hier und Jetzt befinden und dass es daraus kein Entkommen gibt (Advaita). Der Mensch wurzelt daher bereits jenseits und allseits von Raum und Zeit. Was ihn gefangen hält, sind Identifikationen (Anhaften, Buddhismus).

Es ist dann auch die Frage, ob der Kosmos nicht lediglich das Offenbarwerden einer Existenz ist, dessen Wesen und Struktur bereits gegeben ist. Das würde erklären, weshalb Menschen (unabhängig von Religion oder Kultur) eine Intuition davon haben können, wie der Kosmos entstanden ist, wenn sie sich etwa dieses Plans bewusst werden. Außerdem wäre dann keine Intelligenz im Sinne einer Kreativleistung erforderlich. Dennoch könnte der Sinn einer solchen vorstrukturierten, sich offenbarenden Welt die Freiheit in ihr sein, nämlich als eine Möglichkeit des zu sich Kommens der Geschöpfe zum Sein der Ganzheit durch Evolution. Diese These wäre konform mit der Seinsphilosophie der Buddhisten. Für sie ist das, was wir Gott nennen Nirwana, eine Art von unbedingtem Bewusstsein. Wenn dieses das Wesen des Kosmos sein sollte, muss in ihm die Struktur eines sich offenbarenden Kosmos liegen und wäre in jedem Moment und in jedem Punkt gegenwärtig, (Pantheismus).

G.W.F. Hegel; aus der Phänomenologie des Geistes; A Natürliche Religion, a Lichtwesen
„Das reine Licht wirft seine Einfachheit als eine Unendlichkeit von Formen auseinander und gibt sich dem Für-sich-sein [der Einzelexistenz] zum Opfer dar“
G.W.F. Hegel, Lichtwesen

Die Theosophie spricht vom „Opfer des Logos
„Durch den Akt der Selbstaufopferung ward der LOGOS für die Emanation des Universums offenbar, durch Aufopferung wird das Universum erhalten, …“
Annie Besant; Uralte Weisheit (Übers. aus d. Engl.); Leipzig, 1905, S. 254

Licht und Logos finden im Johannesprolog zusammen.

Im Sinne Kants ist der Kosmos ein „Ding an sich“, von dem ich niemals mehr aussagen kann, als meine Sinne (inclusive aller Messapparate) mir liefern. Um dieses „Ding an sich“ dreht sich die Quantenphysik seit Planks Entdeckung des Wirkungsquantums im Jahr 1900.

Fichte und vor Allem Hegel sehen in diesem unerkennbaren „Ding an sich“ den Geist, der als das ewige Subjekt im Menschen als Ur-Ich auftaucht. Ebenso lehrt es Advaita Vedanta. Da dieses Ich immerwährendes Subjekt ist, kann es niemals als Objekt sichtbar werden. Es kleidet sich mit den Attributen der Natur, die wir sinnlich wahrnehmen, bzw. psychisch als Innenwelt unseres Charakters.

John Horgan, Redakteur bei Scientific American, verkündet das Ende der Wissenschaft
„Selbst das Problem des menschlichen Bewußtseins findet Horgan zwar spannend, aber weder lösbar noch tatsächlich fundamental. Schließlich sei das Phänomen des Geistes nur auf einen Ausschnitt der Raumzeit, auf einen winzigen Planeten in einem unbedeutenden Sonnensystem beschränkt.“

Diese Anschauung beruht auf dem Maß des menschlichen Körpers. Wäre die durchschnittliche Körpergröße das 1000-Fache, so würden wir mit einem Metermaß messen, das einen Kilometer beträgt und wir hätten den Eindruck, der Kosmos wäre um den Faktor tausend kleiner. Die Frage ist, für wie bedeutend halten wir unsere Körpergröße, wenn wir von der Größe des Kosmos sprechen? Wer also vom „Staubkorn Erde“ spricht bekundet damit, dass er die Größe seines Körpers in cm für einen bedeutenden Maßstab hält.

Die gewaltigen Proportionen (die Größenverhältnisse untereinander) und die riesigen Zeitdimensionen im Kosmos sind Voraussetzungen für die Entstehung von Leben. Das ist ein Faktum. Wer also für nebensächlich hält, was notwendig ist, dem fehlt die Voraussetzung, um von diesen Dingen zu sprechen.

Was heißt groß, was heißt klein?
Ein klärendes Zwischenspiel im Forum

Es ist aber nicht nur eine Frage der Maße und Proportionen von Raum und Zeit, sondern auch eine Frage der Art der Betrachtung. Man könnte mit gleichem Recht eine Karte des Kosmos aufgrund der Molekülkomplexität aufstellen, dann wäre die Erde im Vergleich zum Rest des Universums überdimensional groß. Der Rest spielte nur eine Nebenrolle. Daher sind derlei Betrachtungen einwenig naiv und der folgende Einwand ist gerechtfertigt: „Paul Davies etwa, Professor für Naturphilosophie an der Universität von Adelaide in Australien, kann soviel Ignoranz gar nicht glauben. „Das Bewußtsein ist immer noch ein großes Rätsel. Wir wissen nicht, wie es entsteht, was es für ein System bedeutet, bewußt zu sein, oder warum es Qualia, subjektive Empfindungen, gibt (* vorausgesetzt, man glaubt daran, daß sie existieren). Auch wenn Bewußtsein vielleicht kein fundamentaler Aspekt des Universums ist, bleibt es doch immer noch ein Rätsel, das gelöst werden muß.“

* Subjektive Empfindungen existieren nicht, sind bloße Fluktuationen von Neuronen, somit wäre die Evolution purer Zufall?
Bewusstsein als ein zufälliges Produkt einer zufälligen Zusammenballung von Stoff zu betrachten ist so lange spekulativ, so lange wir nicht nachweisen können, wie Bewusstsein aus Materie entsteht. Die Kette von „Zufällen“ ist in der Phase der 4,5 Milliarden Jahre andauernden Evolution auf dieser Erde erdrückend:
Ein Vortrag von Siegfried Scherer seit 1991 Professor für Mikrobielle Ökologie an der Technischen Universität München.

Wahrscheinlichkeiten
Wir wollen eine Aminosäurenkette von 100 Aminosäuren erhalten, damit wir das per Definition kleinstmögliche Protein haben.

Selbst wenn sich jede Sekunde so viele Moleküle zusammenketten, wie es Wassermoleküle in den Weltmeeren gibt (das sind rund 4,65 · 10 hoch 46 – [465 mit 44 Nullen dran]), müssten über 3 Billion Erdzeitalter vergehen (angesetzt mit 4,5 Mrd Jahren), bis sich auch nur eine solche Sequenz einmal bilden würde, die dann natürlich keine sinnvolle Funktion, sondern eine zufällige (chaotische) Abfolge von Aminosäuren aufweist.

Diese Zahlen zeigen, es gibt keinerlei Anlass an Zufall zu glauben. Begründeter wäre Frage nach dem Geisteszustand eines Menschen, der behauptet, Evolution sei Zufall. Dennoch geschieht es in beinahe jeder populärwissenschaftlichen Schrift und in Dokumentationen und so muss man nach dem Geisteszustand der medialen Vermittler von Wissenschaft fragen.

Aus meiner Sicht stehen wir nach dem Zusammenbruch der Glaubenswelt zwischen zwei Welten. Zwischen der Phase der „Vater Religion“ (Einstein) und der Phase einer „kosmischen Religiosität“ (Einstein). Diese Zwischenphase ist einerseits bestimmt von Atheismus, andererseits vom Rückfall oder Festahalten an der „Vater Religion“. Die Diskussionen sind bestimmt von diesen beiden Optionen, da eine dritte Option noch nicht ins allgemeine Bewusstsein vorgedrungen ist. Dennoch gibt es sie im Buddhismus, bei den Mystikern des mittleren Ostens, Europas und Asiens. Der Buddhismus hat sich in Europa nicht etabliert, weil kulturfremd. Der Mystik haftet noch der Staub einer überkommenen Kulturstufe an.
Ludwig Feuerbach (Religionsformen als Marker einer Entwicklung des Bewusstseins)

Die Wissenschaft am Ende:
Der Münchner Physikprofessor Philipp von Jolly, bei dem Planck sich 1874 nach den Aussichten erkundigte, kommentierte Plancks Interesse an der Physik mit der Bemerkung, dass „in dieser Wissenschaft schon fast alles erforscht sei, und es gelte, nur noch einige unbedeutende Lücken zu schließen“ – Eine Ansicht, die zu dieser Zeit von vielen Physikern vertreten wurde. Sollten sich die Stimmen häufen, die von einem Ende der Wissenschaft sprechen, wäre das ein Hinweis auf eine bevorstehende wissenschaftliche Revolution. Wissenschaft wird nie ein Ende haben und so resümiert der Autor des Artikels: „Morton irrt. Es gibt genug zu tun. John Horgan ist eine intelligente Provokation gelungen, rhetorisch brillant und kenntnisreich. Eine Provokation, die Taten und neues Nachdenken verlangt. Der Originaltitel jedoch geht zu weit. „The Ends of Science“ sollte das Werk zunächst heißen. „Der Titel war für ein breites Publikum zu subtil“, verteidigt sich Horgan, als sei die Annahme von Grenzen in der Wissenschaft nicht schon provozierend genug.“
Vielleicht war der Titel ja auch die Idee des Verlags. Provokation steigert die Auflage und Papier ist geduldig.

Kritik an einer Teleologischen Deutung der Urknalltheorie
Nach Meinung von E. Sober, sowie M. Ikeda und B. Jefferys ist die Annahme eines ansonsten unspezifizierten Schöpfers keine Erklärung für die Feinabstimmung, da dieser Schöpfer, der machtvoll genug ist, Universen zu erschaffen, auch in einem nicht feinabgestimmten Universum Leben erschaffen könnte. Selbst wenn in einem Universum keine der als feinabgestimmt geltenden Konstanten die richtige Größe hätte, so wäre es für ihn sicher auch möglich, in diesem ansonsten lebensfeindlichen Universum an einem lokalen Ort für Bedingungen zu sorgen, welche Leben ermöglichen würde. Wenn z. B. die Wechselwirkungkonstanten der Kräfte nicht die korrekten Größen hätten, so dass Kohlenstoff-12 nicht auf natürlichem Wege entstehen könnte, so könnte ein allmächtiger Schöpfer durch übernatürlichen Eingriff trotzdem das zum Leben nötige Kohlenstoff-12 entstehen lassen. Wäre das Universum durch einen Schöpfer geschaffen worden, so gäbe es dieser Ansicht nach keinen Grund, ein feinabgestimmtes Universum zu erwarten, und demnach bietet die teleologische Hypothese keine Erklärung für eine Feinabstimmung des Universums.

Diese Kritik zielt auf eine allmächtige Gottheit. Dieses „Modell“ ist überkommen, die Kritik ebenfalls. Das Eingreifen eines allmächtigen Wesens ist nicht erforderlich. Der Rücksturz ins Mittelalter unterbleibt vorerst. Im Übrigen ist Allmacht für sich schon ein Widerspruch. „Wäre Gott allmächtig, dann sollte er einen Stein erschaffen können, den er selbst nicht aufheben kann“.
Die „Quasi teleologische Deutung“ betrifft das nicht. Sie überschneidet sich eher mit einer Theorie ohne feinabgestimmte Konstanten da diese Konstanten während des in Erscheinungstretens eines vieldimensionalen Einheitsbewusstseins von selbst auftreten. Sie bilden quasi nur ab, was schon da ist. Außerdem würde ein Eingreifen von außen den Plan der kosmischen Evolution stören. Dieser Plan enthält die Freiheit der sich entfaltenden Individuen. Diese Lösung ist, nach meinem Dafürhalten, die beste aller möglichen Welten. Sie vermag außerdem einiges zu erklären und bleibt für alle wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse offen.

Bis auf Weiteres werden wir uns mit der Erklärung der Urknalltheorie noch in Geduld üben müssen. Was derzeit tobt, sind Ablösungskämpfe von Resten mittelalterlicher Vorstellungen. Die eine Fraktion flüchtet sich in eine agnostische Zufallstheorie, die Andere hält am Mittelalter fest. Solange es um Weltanschauungen geht, bleibt die Diskussion beiderseits irrational.

Prof. Dr. B. K ANITSCHEIDER (*1939) seit 1974 Lehrstuhl für Philosophie der Naturwissenschaften am Zentrum für Grundlagen der Wissenschaften an der Universität Giessen. KANITSCHEIDER sagt ganz offen, dass er die Vielweltentheorie „vom wissenschaftlichen Standpunkt aus“ vorzieht, „denn sie bleibt im Rahmen einer naturalistischen Ontologie; es werden viele physikalische Welten gebraucht, aber keine transzendent-metaphysischen.“ Ein „transzendenter Koordinator“ scheint damit überflüssig zu sein.
Zitat aus Das kosmologische anthropische Prinzip, Die merkwürdige Feinabstimmung der Naturkonstanten, Prof. Dr. Peter C. H Hagele; Angewandte Physik, Universit Ulm, S.34

Dieser Ansicht sind viele Forscher. Sie bekunden jedoch offen, dass sie einen „transzendenten Koordinator“ ablehnen. Eine religiöse Vorstellung der Stufe „Vaterreligion“(Einstein). Die der Forschung zugrunde liegende Philosophie des Naturalismus ist eine reduktionistische Philosophie, der zufolge es keine Erscheinungen gibt, die nicht materielle Ursachen als Grundlagen haben könne.

Daraus bildete sich die reduktionistische Auffassung heraus, alles sei zum Beginn des Urknalls schon da gewesen, habe sich aus diesem Anfang heraus gebildet. Das schließt z.B. alle Gedanken, die je gedacht wurden und je gedacht werden können ebenfalls mit ein. Ein totaler Determinismus, der alleine aufgrund der Emergenz nicht haltbar ist. Emergenz bedeutet Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen eines Systems infolge des Zusammenspiels seiner Elemente. Es würde auch eine totale Kausalität erfordern. Alles, was existiert müsste eine Ursache haben. Was wir aber in der Quantenphysik beobachten, ist gerade das Gegenteil. Ein totaler Indeterminismus. Wir können nicht wissen, wo sich ein Elektron im Atom aufhält (Unschärferelation) und wir können auch nicht wissen, wann ein Atom zerfällt (Radioaktivität), nur die statistischen Aussagen, geben Auskunft darüber. Das ist aber nicht mehr wert, als etwa die Angabe der Wahrscheinlichkeit auf einen Lottogewinn. Dennoch bilden sich Gesetzmäßigkeiten heraus, die wir beschreiben können.

Ich meine, es gibt eine dritte Möglichkeit (Quasiteleologische These Die Urknalltheorie). Die Offenbarung eines präexistenten Bewusstseins. Diese Option braucht keinen Schöpfer, der etwas so oder so einstellt, denn das „Sosein“ dieses Bewusstseins bringt den Kosmos hervor. Diese Hervorbringung offenbart lediglich präexistente Strukturen, ist andererseits aber als reines Bewusstsein frei und ermöglicht so eine neue Entwicklung. Der Mechanismus einer solchen Entwicklung ist aber ebenfalls dialektisch vorgeprägt (Hegel)

Die Welt ist in ihrem innersten Wesen vollkommen frei, weil unerkenbar, wie auch der Mensch frei ist. Diese These birgt eine Antithese, nämlich, dass der Mensch und auch die Natur Gesetzmäßigkeiten unterworfen sind. Diese Gegensätze sind aufeinander bezogen und vernichten sich gegenseitig in einem Kampf. Auf diese Weise entsteht Neues, einerseits durch Kampf und Vernichtung, in welchem sich beide Gegensätze emporheben und neues bilden. Im Fall des Menschen und der lebendigen Natur entfaltet sich Bewusstsein und Leben, im Falle der unbelebten Natur der Kosmos.

Sie begreift die Verschiedenheit philosophischer Systeme nicht so sehr als die fortschreitende Entwicklung der Wahrheit, als sie in der Verschiedenheit nur den Widerspruch sieht. Die Knospe verschwindet in dem Hervorbrechen der Blüte, und man könnte sagen, daß Jene von dieser widerlegt wird; ebenso wird durch die Frucht die Blüte für ein falsches Dasein der Pflanze erklärt, und als ihre Wahrheit tritt jene an die Stelle von dieser. Diese Formen unterscheiden sich nicht nur, sondern verdrängen sich auch als unverträglich miteinander. Aber ihre flüssige Natur macht sie zugleich zu Momenten der organischen Einheit, worin sie sich nicht nur nicht widerstreiten, sondern eins so notwendig als das andere ist, und diese gleiche Notwendigkeit macht erst das Leben des Ganzen aus. Aber der Widerspruch gegen ein philosophisches System pflegt teils sich selbst nicht auf diese Weise zu begreifen, teils auch weiß das auffassende Bewußtsein gemeinhin nicht, ihn von seiner Einseitigkeit zu befreien oder frei zu erhalten und in der Gestalt des streitend und sich zuwider Scheinenden gegenseitig notwendige Momente zu erkennen.
Phänomenologie des Geistes, Vorrede, G.W.F. Hegel

Diese Option einer quasiteleologischen Entfaltung des Kosmos enthält einerseits eine vorgeprägte Dialektik (These, Antithese, Überwindung und Höherschreiten in der Synthese, (Hegel)), andererseits den Prozess selbst, der permanent Neues innerhalb einer naturgesetzlich bedingten Welt hervorbringt. Dieses Neue ist aus der Freiheit des unerkennbaren Seins möglich.

-> Warum der Geist unerkennbar ist

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4 Kommentare

  1. Guten Tag. Ich habe Ihre beiden Artikel über die Urknalltheorie gelesen. Sehr interessant!

    Ich habe eine Frage und vielleicht können Sie mir ja etwas dazu sagen. Es gibt ja dieses physikalische Gesetz von der Energieerhaltung. Es besagt, dass sich Energie weder auflösen noch mehr werden kann. Die vorhandene Energie im Universum kann sich nur umwandeln. Wenn ich aber die Urknalltheorie betrachte, die besagt, dass sich alles aus einem sehr kleinen Punkt entwickelt hat, also auch die Energie, so bekomme ich die Vorstellung, dass sich Energie von Null bis zur heutigen Menge entwickelt haben muss. Dies aber widerspricht dem Energieerhaltungssatz. Eine Sache muss dann logischerweise falsch sein. Entweder ist diese Theorie vom Urknall nicht richtig oder der Energieerhaltungssatz ist falsch.

    Was ist nun richtig? Oder vielleicht ist beides nicht korrekt?

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